Bilderbuch
mea culpa | Vernissage My Heart

Veröffentlichung
04.12.2018 | 22.02.2019
Label
Maschin Records
Vertrieb
Universal Music

mea culpa

Der 24. Mai 2019 wird das Datum sein. Ein Konzert in kaiserlichem Ambiente. Ein triumphales  Heimspiel vor 15.000 Menschen. Beim Auftritt vor dem Schloss  Schönbrunn in Wien findet die Karriere von Bilderbuch ihren vorläufigen Höhepunkt. Unfassbar, wie weit diese Band in den vergangenen Jahren gekommen ist. 

Ein Blick in den Rückspiegel: 2005 gegründet, legen die Oberösterreicher 2013 den Turbo Boost ein. Die „Maschin“ heult auf und lässt alles, was sich Indie-Rock nennt, alt aussehen. „Schick Schock“, ein auffrisierter Hybrid aus 50 Jahren Pop-Geschichte, erobert 2015 die Jahres-Bestenlisten, der Nachfolger „Magic Life“ knackt 2017 die österreichischen und deutschen Top Ten.  „Die beste Musik zur Zeit“, urteilt die Süddeutsche Zeitung. Das ist keine zwei Jahre her. Eigentlich, so würde man meinen, sind diese Lieder für eine imperiale Party in Schönbrunn noch fresh genug. Aber Bilderbuch sind bereits zwei Runden weiter. Eh klar.

In Wien und in Kroatien haben sie neue Songs geschrieben – genug, um damit zwei Platten zu füllen. Die erste, „mea culpa“, erscheint jetzt wie aus dem Nichts. Wobei: Machen wir uns nichts vor! Wenn Sie diesen Text lesen, ist die Nachricht längst „viral gegangen“, wie es so schön heißt. Am 22.2.2019 folgt dann schon die nächste Platte „Vernissage My Heart“. Erst unlängst hat der amerikanische Rolling Stone das Album-Format für tot erklärt: Gestreamt werden nur noch die Hits, Album-Tracks interessieren angeblich niemanden mehr. Das schert Bilderbuch nicht. Sie kennen die Regeln des Business. Und brechen sie nach allen Regeln der Kunst.

„mea culpa“ will am Stück gehört werden. Die neun Songs formen eine Erzählung mit ungewöhnlicher Dramaturgie. Auf das dunkel groovende „Sandwishes“ folgt die Total-Entschleunigung: „Taxi, Taxi“. Der Erzähler nickt auf der Rückbank ein und wird erst im nächsten Track aus seinen Träumen gerissen. Langsam erhöht sich der Puls, die zweite Hälfte wird sinnlicher. Synth-Tupferbe hübschen hypnotische Drum Patterns, Acid Jazz und Trance zählen neuerdings zum musikalischen Inventar. Wie viele unterschiedliche Bands Bilderbuch sind! Dafür braucht es keine Heerschar an Songschreibern, sondern nur dieses eingeschworene Team aus vier Musikern: Peter Horazdovsky, Michael Krammer, Philipp Scheibl und Front-Schlingel Maurice Ernst. Mit Wortwitz und Wiener Verve befreit er den deutschsprachigen Pop von seiner unerträglichen Eindeutigkeit. Bekennt seinen Glauben an die Liebe, das Internet und „deinen ass“. Flieht vor den Komplikationen der modernen Welt („Auf Netflix ist sich entscheiden so schwer”!) ins Megaplex –und findet dort Gott.
 
Es fällt zunehmend schwer, Referenzpunkte für all das zu finden. Bilderbuch beschreiten eigene Wege. Wo sie hinfahren brauchen sie keine Straßen. Weiß Gott, wohin sie die auf „Vernissage My Heart“ im Frühjahr noch führen werden. Im Dezember 2018 ist nur eines gewiss: Ein zweites Album wie „mea culpa“ hat es dieses Jahr nicht gegeben. Ein besseres womöglich auch nicht.

Reiner Reitsamer, Journalist

Videos: Bilderbuch "mea culpa" Single 'Sandwishes' & "Vernissage My Heart" Single 'LED go'

Vernissage My Heart

Nein, das ist kein Heavy Metal. Natürlich nicht. Wobei: Lichtjahre davon entfernt ist die Gitarre nicht, die da zu Beginn aus den Boxen quillt, ächzt und grollt. Ein letztes Mal bäumt sich die Dunkelheit auf. „Zukunft one-way, hin wo das Licht ist“, lautet der erste Satz. Dann überführt Snacky Mike das Stück
in einen funky Mittelteil. Wir ahnen: Alles wird gut!

17 Songs haben Bilderbuch im vergangenen Jahr aufgenommen und am Ende gemerkt, dass sich in der Mitte eine Linie ziehen lässt: zwei Stimmungen, zwei Platten. Die eine in sich gekehrt, die andere expressionistisch und hoffnungsvoll. „mea culpa“ ist bereits vor zwei Monaten erschienen. Jetzt folgt
„Vernissage My Heart“, die Reise aus dem Ich.

Ein unterschiedliches Zwillingspaar ist das. Es scheint miteinander zu kommunizieren. „Gib mir das Gefühl, dass ich etwas fühl“, fleht die eine Platte. „Manchmal da fühl ich diese Welt, sie braucht mich“, jubiliert die andere. „Memory Card“ hallt leise nach, die Chorus-Gitarre aus „Checkpoint (Nie Game Over)“ kehrt in „Europa 22“ zurück. Und das Handy-Display, das zuvor als Black Mirror die Einsamkeit reflektiert hat, strahlt endlich wieder: 5000 Likes!

Nein, das ist kein Jazz. Natürlich nicht. Wobei: Lichtjahre davon entfernt ist der Spirit nicht. Grenzen fließen, Songstrukturen fransen aus. Alles ist im Flow. Vier Musiker, die einer gemeinsamen Intuition folgen, wie es wohl nur Menschen können, die seit Kindestagen miteinander Songs schreiben.

Sänger Maurice Ernst und Bassist/Keyboarder Peter Horazdovsky haben Bilderbuch 2005 gegründet. Gitarrist Michael „Snacky Mike“ Krammer ist seit 2009 dabei, Drummer Philipp Scheibl stößt 2012 dazu. Seit dieser Zeit tragen sie Siebenmeilenstiefel. Definieren mit jeder Platte neu, was diese Band will und was sie kann. Der Erfolg von Singles wie „Maschin“, „OM“ und „Bungalow“ verführt sie nicht zur Jagd auf einen billigen Hit. Die Vision bleibt ungetrübt. Davon legt dieser jüngste Wurf verschwenderisch Zeugnis ab.

Ab dem 22. Februar sind beide Alben in physischer Form erhältlich. Im Frühling gehen Bilderbuch damit auf Tour. Die findet am 24. und 25. Mai in Wien ihren Höhepunkt. Im adäquat feudalen Setting von Schloss Schönbrunn vor 30.000 Menschen. Ja, das ist Pop. Ganz eindeutig. Eine aufregendere Spielart davon gibt es derzeit nicht.


Reiner Reitsamer, Journalist

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