Robyn
Honey

Veröffentlichung
26.10.2018
Label
Embassy of Music
Vertrieb
Warner Music

Nachdem ihr letztes Album Body Talkvon Robotern und Mechanik geprägt war, schlägt Robyn mit Honeynun wärmere und sinnlichere Töne an. Es ist ein Album über das Menschsein, das mit Trauer und Verlust beginnt, um sich von dort aus zu ekstatischen Höhen der hellen Freude aufzuschwingen. „Ich hab viel getanzt während der Arbeit an diesem Album“, so Robyn. „Ich habe eine Sinnlichkeit und Weichheit in mir gefunden, die ich vorher nicht so einsetzen konnte. Es wurde einfach alles sanfter.“

Auch wenn sie zwischen den beiden Alben quasi ununterbrochen gearbeitet hat – an Remixen eigener Songs ebenso wie an Neben- und Kooperationsprojekten – tritt sie mit Honeyzum ersten Mal wieder als Robyn in Erscheinung, seit die lange Tourneephase nach dem Welterfolg von Body Talkvorbei ist. Gedanken an ein neues Album beschäftigten sie schon 2014, doch ihr Selbstbewusstsein war gesunken.  „Ich wollte eine Platte machen, aber ich konnte nicht“, erinnert sie sich. „Ich wusste nicht mehr, wie das geht. Ich wusste nicht, welche Art von Musik ich machen wollte. Alles kam mir gezwungen und ausgedacht vor.“ Zwischendurch war sie sich nicht einmal sicher, ob sie überhaupt ein weiteres Album machen könne. „Irgendwann wollte ich keine traurigen Liebeslieder mehr schreiben. Mein eigenes Leben schien mir aus dem Hals zu hängen“, gesteht sie lachend. „Genug davon!“

Robyn "Honey"

Privat waren die Jahre nach der Veröffentlichung von Body Talkturbulent.  „Es war keine besonders glückliche Zeit für mich, als ich an diesem Album gearbeitet hab, und dementsprechend schlecht war mein Selbstbewusstsein“, erklärt sie. „Es war eine sehr intensive Zeit, in der ich Übles durcharbeiten musste. Ich hab auf vielen Ebenen gleichzeitig alles durcheinander geworfen und geguckt, wo die Teile landen.“ Musikalisch blieb sie dennoch produktiv und veröffentlichte u. a. Gemeinschaftsprojekte mit Röyksopp,Kindnessund Mr. Tophat, auch eine EP mit La Bagatelle Magique. Ihr wurde klar, dass sie Zeit brauchte, um herauszufinden, welche Art Musik sie als Robyn machen wollte. Die erste Single, „Missing U“, ist nicht nur der erste Track des Albums, sondern auch der erste Song, den sie dafür geschrieben hat. Das Stück war zunächst als Song über eine Trennung konzipiert, die das Ende einer langen Beziehung vorwegnehmen sollte. Dann starb ihr guter Freund und Bandkollege bei La Bagatelle Magique, Christian Falk, nach kurzer Krankheit.

„Damit wurde ‚Missing U‘ ein Song über Christian. Er wurde sehr schnell sehr krank, es geschah alles innerhalb von nur einem halben Jahr. Direkt danach durchlebte ich diese Trennung und machte eine Therapie. Es war insgesamt eine sehr durchgedrehte Zeit. Ich hatte wirklich das Gefühl, leicht verrückt zu sein.“ „Missing U“ ist ein Song über Verlust, aber er ist auch großzügig: Es geht um das Gefühl der Dankbarkeit für das, was bleibt, wenn ein geliebter Mensch nicht mehr da ist. „Als ich die Stücke zusammensetzte, wurde daraus diese unglaubliche Befreiung. Etwas, das sich überhaupt nicht mehr traurig anfühlte.“ Diese Offenheit zeigt auch das Video, eine Art Mini-Dokumentation, die Robyn begleitet, während sie an einem ihr gewidmeten Abend in einem New Yorker Club ihren Fans begegnet. „Das Stück war für mich sehr persönlich und privat, aber das Video war sozusagen die Rettung, denn es legte den Fokus auf die Fans und macht den Song dadurch offen für die Bedeutung der Zuhörer.“

Das beeindruckende Arpeggio zu Beginn von „Missing U“ überzeugte Robyn, dass dies der erste neue Song sein sollte, den man von ihr hört. „Ich liebe diesen Sound. Ich liebe die Vorstellung, dass es das Erste ist, was die Leute hören. Der Rhythmus ist unregelmäßig, und es fühlt sich hell und klar an, wie ein knallig-lauter Lichtstrahl.“ Joseph Mountvon der Band Metronomy, der an verschiedenen Songs mitgewirkt hat, hatte Robyn den Sound bereits 2014 während einer der frühen Aufnahmesessions in seinem Pariser Studio vorgestellt. Damals arbeiteten die beiden an Entwürfen zu drei Songs, aus denen schließlich die Tracks „Missing U“, „Human Being“ und „Because It’s in the Music“ wurden. „Joseph und ich hatten damals dieses faszinierende Brainstorming“, erinnert sich Robyn. Doch damit das Album zu dem werden konnte, was es sein sollte, brauchte sie noch einen anderen Ansatz. Also kehrt sie zurück nach Stockholm, wo sie sich für ein Jahr in ihr Studio zurückzog, um zum ersten Mal in ihrer Karriere ganz alleine weiterzuarbeiten.

„Ich wusste, dass ich eine hochsensible Phase erlebte, und dass das Album nie zustande käme, wenn ich mit jemandem zusammenarbeiten würde. Es war ein überwältigendes Bedürfnis, die Tür hinter mir zu schließen und allein zu sein“, so Robyn. Also hörte sie die Musik, die ihr besonders gut gefiel, und entwickelte dazu Beats in Lo-Fi-Qualität, die sie später genauer ausarbeiten wollte. Die weiche, sanfte Qualität des Albums führt sie auf diese Zeit zurück. „Ich habe mich damals nicht unter Druck gesetzt und hatte nicht diesen Außenblick auf mich selbst, sondern war ganz bei mir und in meinem Gefühl.“ In dieser Zeit hatte sie auch den nötigen Raum, die hypnotischen Rhythmen zu erspüren, die zum Rückgrat von Honey wurden. „Ich habe noch nie so stark an der Produktion selbst mitgearbeitet, wie bei dieser Platte. Ein Hauptgrund dafür, dass ich erst einmal alleine anfangen wollte, war, dass ich eine Ahnung hatte, wie die Produktion werden sollte, und Zeit brauchte, eine genaue Vorstellung davon zu entwickeln.“ Dass es ihrem Studio auch einen Proberaum gab, war der Sache zuträglich. Wochenlang tanzte sie dort zu Lieblingsplatten und bewegte sich zu den Klängen von House, Techno und Disco.

„Es ging sehr stark um den Rhythmus. Das Album sollte seinen eigenen Groove haben. Durch die EP, die ich gemeinsam mit meinem Freund Mr. Tophat gemacht hatte, war ich von Disco und MichaelJacksonsfrühen Demoaufnahmen für Thriller und Off the Wall beeinflusst. Mich hat inspiriert, dass viele dieser älteren Disco- und Funk-Stücke demselben Gefühl oder derselben Theorie wie House und Techno folgen und diese hypnotischen Rhythmen haben. Das hat mich mitgerissen. Und so fing ich an. Tage- und wochenlang hab ich einfach gefühlt. Ich hab nicht wirklich Musik gemacht, sondern mich einfach inspirieren lassen, indem ich mir andere Sachen angehört oder dazu getanzt hab.“

Dance Music und das Nachtleben waren zwar immer schon prägend für Robyn, doch auf Honeyfühlt man die Clubrhythmen durchgängig. Im dunkelsten Song des Albums, „Human Being“, fleht sie nach menschlicher Verbundenheit und darum, nicht im Stich gelassen zu werden. Trost findet sie im Tanz:„Move your body closer to mine.“Und im mitreißenden Disco-Beat von „Because It’s in the Music“ ist es der Tanz zu einem vertrauten Song, der glückliche Erinnerungen aufleben lässt:  „I wonder when you hear it, do you get the same feeling?“

Nachdem sie ein Jahr im Studio verbracht und sich ausgetanzt hatte, war Robyn wieder bereit, mit anderen zusammen zu arbeiten, und begann zwischen Stockholm und Mounts Studio in Paris zu pendeln. In Schweden schrieb sie „Baby Forgive Me“ gemeinsam mit Mr. Tophat, mit dem sie auf Ibiza als DJ auftrat. Dort entstand auch der Sommer-Sonne-Track „Beach 2k20“, über den Robyn sagt: „Es geht um die Möglichkeiten, die ein Ort wie Ibiza eröffnet – ein Ort, der warm ist, wo man nichts planen muss und sich einfach dem öffnen kann, was kommt.“ In New York und London arbeitete sie mit Adam Bainbridge alias Kindnesszusammen an „Send to Robin Immediately“, den sie sofort, nachdem sie ihn gehört hatte, von Bainbridge geschickt bekommen wollte, was dem Track seinen Namen gab. „Send to Robin Immediately“ ist das Scharnierstück des Albums und basiert auf Samples aus Lil Louis’ „French Kiss“. „Es ist eins meiner Lieblingsstücke. Adam hat das Tempo rausgenommen und es so völlig verwandelt. Ich freue mich sehr, dass der Song mit auf dem Album ist, denn er bildet auch eine Art Break. Er ist ein Verweis auf die Dance Music, die mich so in ihren Bann gezogen hat mit ihren repetitiven, hypnotischen Rhythmen.“ Auch Zhala, die Robyn bei ihrem Label Konichiwa unter Vertrag genommen hat, war an dem Album beteiligt. Gemeinsam mit ihrem langjährigen Kooperationspartner Klas Åhlundsteuerte sie den faszinierend klaren, frisch verliebten Sound von „Between the Lines“ bei, der „fast wie ein Freestyle-Track in einem Rutsch entstand“.

Dass die einzelnen Tracks mehr oder weniger in der Reihenfolge entstanden, in der sie auf dem Album zu hören sind, vermittelt ein Gefühl von Chronologie, aber auch von emotionalem Wachstum und Transformation. In der Zeit zwischen Body Talkund Honeymachte Robyn eine mehrjährige Psychoanalyse mit drei bis vier wöchentlichen Sitzungen. „Meine Musik entstand schon immer aus einem Gefühl des Glücks heraus, aber da ich so früh damit angefangen habe, war es nicht so einfach für mich, herauszufinden, was ich eigentlich machen will“, erklärt sie. „Die Psychoanalyse war wirklich toll. Sie hat einen schlechten Ruf, aber sie schafft viel Raum, um sich mit dem zu beschäftigen, was man möchte. Ich war überrascht, wie flexibel und experimentell sich das anfühlte. Und ich habe viel Neues über mich gelernt. Plötzlich war da dieser inspirierende und faszinierende Raum, in dem ich ganz mit mir selbst in Einklang war, mich selbst besser verstand und viele Beziehungen klären und heilen konnte. Es war, als könne ich mit allem noch einmal von vorne anfangen, im besten Sinne.“

Honey ist durchwirkt von diesem Gefühl des Neuanfangs: von der neu entdeckten Zartheit bis zur entschlossenen Beschäftigung mit – und Überwindung von – Trauer. Der Titel-Track, der auf „Send to Robin Immediately“ folgt, bildet den Moment, ab dem das Album dem Licht entgegen drängt. Die Idee zu dem Stück wurde geboren, als Robyn auf ihrem alten Casio-Synthesizer zwei Tasten gleichzeitig drückte. Begeistert von der Zufallskombination aus Beat und Bassline, arbeitete sie lange an dem Loop, ohne klare Vorstellung, wie der Song werden sollte. Damals war ihr das Wort „Honey“ schon seit einiger Zeit immer wieder durch den Kopf gegangen. Und so kam beides schließlich zusammen. „Honig hat diese mythologische Seite. Im alten Ägypten wurde er bei der Mumifizierung von Leichen verwendet und hat dadurch eine Verbindung zum Tod. In Peru gibt es psychedelischen Honig, der einen auf die wildesten Trips bringt. Ich fand einen Platz für dieses Wort in dem Song, an dessen Beat ich so lange gearbeitet hatte und in dem es um diesen bestimmten Rhythmus ging. Also habe ich weiter Melodien geschrieben, und eines Tages passierte es einfach.“

Es war klar, dass „Honey“ zum Titel des Albums werden musste. Der Track verkörpert alles, was Honeyausmacht. „Für mich steht ‚Honey‘ für Sinnlichkeit und Weichheit und all die vielen Dinge, die ich im Studio wie in einem Garten habe wachsen lassen“, so Robyn. „Diese Süße, wie eine ganz zarte Art von Ekstase. Etwas, das sinnlich und köstlich ist.“

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