Aimee Mann
Mental Illness

Veröffentlichung
31.03.2017
Label
Membran
Vertrieb
Superego Records

"Aimee Mann announces Mental Illness" – so kündigte das amerikanische Branchenblatt Billboard Mitte Januar das neue Album der Ausnahmekünstlerin an, ihr erstes seit fünf Jahren. Die missverständliche Headline ist der 56-jährigen nur recht, sogar ein seltenes Exempel für „Truth in Advertising", wie sie sagt. „Der Titel kam von einem Freund, der mich fragte worum es bei diesem neuen Album geht, erzählt Aimee Mann. „Und ich antwortete: „Ach, weißt Du, die üblichen Songs über Geisteskrankheiten. Woraufhin er meinte: „Dann nenn es doch auch so. So kam es zu „Mental Illness". Ich hoffe, dass man merkt, dass hier auch mein Galgenhumor im Spiel ist. Mich bringt der Titel zum Lachen, weil er so ehrlich ist – so direkt, dass es schon wieder lustig ist."

Nach einigen eher rockigen Alben, etwa ihrem letzten Solo-Album „Charmer" von 2012 und dem Duo-Projekt „The Both" mit Ted Leo von 2014, hat die Frau, die der Welt die Ballade „Wise Up" bescherte, beschlossen, sich wieder zu verlangsamen. Wem „Bachelor No. 2 und der Magnolia Soundtrack gefallen haben, der wird sich in den herrlichen Melodien und der eher zaghaften Gangart dieser Musik, dieser eleganten Rückkehr in kontemplative Formen wohl fühlen. Die musikalische Umsetzung allerdings ist neu und vielleicht auch überraschend: kein Mellotron mehr, keine seltsamen Keyboardsounds, nur ab und an Schlagzeug und EBass, vor allem aber wunderbare Gesangsharmonien, Gitarre, Klavier und, das nun wirklich zum ersten Mal in ihrer Karriere, Streicher. Das Ergebnis, eine bisher so noch nicht gehörte Kombination von Sanftheit und Direktheit, macht Gänsehaut mit Songs, die fehlende Üppigkeit mit reichlich Songwritersagenhaftigkeit aufwiegen. Die immer wieder spürbare Melancholie dieses Albums ist beabsichtigt, sogar eine direkte Reaktion auf Aimee Manns Image. „Ich habe das Gefühl, dass man mich als die sieht, die diese wirklich depressiven Songs schreibt", sagt sie. Vielleicht stimmt das ja auch nicht, aber so deute ich die Klischees über mich selbst. Sollte also bisher Jemand gemeint haben, meine Songs wären langsam, deprimierend, traurig und akustisch bis zum geht nicht mehr, habe ich mir jetzt erlaubt die traurigsten, langsamsten akustischsten, Egal-ob-es-alles-Walzer-sind-Songs geschrieben, die ich konnte. Soft bis zum geht nicht mehr.

 

Video: Aimee Mann - Goose Snow Cone

Das S-Wort ist in diesem Zusammenhang allerdings kein Schimpfwort, immerhin hat Aimee Mann in der Vorbereitung auf diese Produktion viel „sehr soften 70s-Rock gehört, von Bread bis Dan Fogelberg. Dass es einen Zusammenhang dazu geben könnte, dass sie neulich einen Hit der Carpenters für Martin Scorseses Seventies-Plattenfirmen-Serie „Vinyl" interpretiert hat, wiegelt sie ab. Eher schon war die Vorliebe des Produzenten Paul Bryan für Nick Drake ein wichtiger Referenzpunkt. "So eine Produktion nimmt immer ihre eigene Form an. Ich wollte vor allem viel Finger-Picking-Zeug auf dem Album haben, fast so wie Leonard Cohen in seinen Folk-Rock-Zeiten. Ich habe noch nie ein so reduziertes Album gemacht. Es sind tatsächlich hier und dort auch ein paar Drums dabei, aber ich habe das Ganze in engen Grenzen gehalten." Bei den String-Arrangements, die Produzent Bryant schrieb, wurde Aimee Mann dann allerdings doch schwach – ursprünglich nur für zwei Songs angedacht, finden sich jetzt doch auf mehreren Stücken des Albums Streicher. „Das Endergebnis ist dann doch nicht so einfach wie mein eigentliches Konzept, aber es ist auch wirklich hart ins Studio zu gehen und keine neuen Ideen zu haben. Außerdem macht es wirklich großen Spaß echte Streicher aufzunehmen. Das macht alles schon größer und luxuriöser, aber ich hoffe, dass die akustische Basis trotzdem noch so klar und einfach rüberkommt." Außer Bryant sind auf dem Album auch andere gute Bekannte zu hören, etwa Jonathan Coulton, dessen eigenes Album demnächst auch auf Mann’s Label Superego erscheinen soll, und der auch ihre Konzerte in diesem Jahr eröffnen und einige der diffizileren Finger-Picking- Parts spielen wird. Außerdem sind Jay Bellerose am Schlagzeug, Jamie Edwards am Klavier, John Roderick als Co-Autor und ihr einstiger Duo-Partner Ted Leo als Background-Sänger mit von der Partie.

Aimee Mann begann ihre Karriere als singendes und Bass spielendes MTV-Darling bei der Band „Til Tuesday", bevor sie zu einer der feinsten Songwriterinnen ihrer Generation avancierte, wie sie die New York Times nennt. NPR Music ging sogar so weit, sie als „eine der zehn besten lebenden Songwriter" neben Kollegen wie Paul McCartney, Bob Dylan und Bruce Springsteen zu platzieren. Zu den Lobeshymnen über ihr letztes Album „Charmer" zählen diese von The Independent (UK): „...ein weiterer süßer Schlangenbiss voll Post-Freudscher Verdauungsstörung von der Singer-Songwriterin, die gerne misstraut." Bestätigung bekam Frau Mann auch mit Nominierungen für Grammy, Oscar und Golden Globe für „Save Me" als besten Soundtrack-Song, dem Hit aus ihrem Soundtrack für Paul Thomas Andersons „Magnolia". Als Schauspielerin war Aimee Mann vorher schon als Drittel der deutschen Nihilisten in „The Big Lebowski" zu sehen. Später spielte sie in Fred Armisens Serie „Portlandia" eine erfolglose Künstlerin, die als Putzfrau arbeiten muss – und das ausgerechnet bei alten Fans. The Huffington Post nannte sie seine der 13 Funny Musicians You Should Be Following On Twitter, Präsident Obama und die First Lady luden sie neben Common zu einem privaten Poesie-Abend ins Weiße Haus. Apropos Präsident: Aimee Mann war die erste Künstlerin, die Autor Dave Eggers im letzten Jahr während des Wahlkampfes für sein Projekt engagierte bei dem er 30 Künstler je einen Song über Donald Trump schreiben ließ.

Nun könnte man vielleicht zu dem Schluss kommen, dass ein Album namens Mental Illness auch eine politische Komponente hat. Hauptsächlich geht es jedoch eher um die Obsessionen und mehr oder weniger seltsamen Verhaltensmuster, die schon seit Urzeiten die bevorzugten Stolpersteine für verrannte Romanzen sind. Und, ja, einige haben sicher auch mit Begegnungen die sie selbst oder ihre Freunde mit ausreichend pathologischen Lügnern hatten, dass sie dem Albumtitel in all seiner klinischen Implikation gerecht werden. „Geisteskrankheit umweht immer noch ein gewisses Stigma", sagt sie. "Dabei fühlt es sich für mich wie eine vertraute Welt an, nicht nur aus eigener Erfahrung sondern auch von Bekannten, die einfach ihren Kram abarbeiten wollen. Ich glaube ganz bestimmt, dass jeder seine Probleme hat, aber würde jetzt nicht so weit gehen zu sagen, dass jeder Mensch geisteskrank ist. Viele meinen, und ich teile diese Auffassung, Trump hätte eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. Aber ich bin mir nicht mal sicher, dass das als Geisteskrankheit durchgeht. Wenn man es mal anders betrachten will, könnte man wohl sagen, dass Menschen oft in zwanghaften Verhaltensmustern gefangen sind. Einige der Songs auf dem Album handeln mit Sicherheit von einer Person, die ich als Soziopath bezeichnen würde, aber irgendwie ist mir auch klar geworden, dass Soziopathie eine Kombination verschiedener Dinge ist. Außerdem bin ich sehr von Ko-Abhängigkeit fasziniert oder von Menschen, die das schlechte Verhalten oder die Süchte Anderer ermöglichen – auf jeden Fall ist mir das überhaupt nicht fremd."

Die eine oder der andere könnte Aimee Mann, in Ermangelung eines besseren Begriffs, für verrückt halten, weil sie zu einer Zeit, in der immer lauter geschrien wird um immer mehr Aufmerksamkeit zu erheischen, so ein stilles, entschleunigtes Album veröffentlicht. Ode dafür, dass sie in einer Zeit, in der die soziale Uhr der amerikanischen Nation auf "zwanzig nach Pulsadern-Aufschlitzen" stehen geblieben ist, fast schon mit seiner Anti-Heiterkeit hausieren geht. Sie selbst empfindet das Album durchaus als optimistisch, wenn auch nur um ihren Zuhörern das Gefühl zu geben, ihren Stamm gefunden zu haben. „Ich glaube, dass Menschen gerne denken, dass Jemand die etwas schwierigeren Dinge, die sie durchmachen, versteht."

Mental Illness
Europa Tour 2017

Datum Ort Location
21.10.2017 Belgien, Antwerpen De Roma
22.10.2017 Deutschland, Hamburg Mojo Club
23.10.2017 Deutschland, Berlin Huxleys
24.10.2017 Deutschland, Köln Gloria
26.10.2017 England, London London Palladium
28.10.2017 Irland, Dublin National Stadium
29.10.2017 Schottland, Glasgow O2 ABC

 

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